Diesel kostete in Deutschland am 25. Juni 1,74 €/L, so wenig wie seit Kriegsbeginn im Februar nicht mehr. Drei Wochen später waren es 2,19 €/L. Stand 20. Juli 2026 liegt der Bundesdurchschnitt bei 2,15 €/L für Diesel und 2,16 €/L für Benzin.
45 Cent Ausschlag in drei Wochen sieht nach purer Kriegspanik aus. Unsere Daten auf Tankstellenebene erzählen eine interessantere Geschichte: Die zwei großen Sprünge in diesem Zeitraum hatten völlig verschiedene Ursachen, und nur einer davon war der Krieg.
Was wann geschah
Die nummerierten Markierungen in der Grafik:
| # | Datum | Ereignis |
|---|---|---|
| 1 | 29. Mai | Von Katar vermittelte Waffenstillstandshoffnung. Brent fällt auf rund 100 $, 20% unter dem April-Hoch von 126 $ |
| 2 | 18. Jun | USA und Iran unterzeichnen das Islamabad-Memorandum. Die Straße von Hormus öffnet wieder, Brent sinkt auf 78 $ |
| 3 | 25. Jun | Brent wieder auf Vorkriegsniveau von rund 71 $. Deutsche Spritpreise auf dem tiefsten Stand seit Februar |
| 4 | 1. Jul | Die befristete Energiesteuersenkung läuft aus. Die Preise springen über Nacht um rund 17 Cent |
| 5 | 8. Jul | Die Waffenruhe bricht zusammen, US-Angriffe auf den Iran beginnen erneut. Brent legt 5,2% an einem Tag zu |
| 6 | 13. Jul | Angriffe auf Schiffe legen den Verkehr durch die Straße von Hormus weitgehend lahm. Brent mit dem größten Tagesgewinn des Monats |
| 7 | 17. Jul | Der Iran greift US-Stützpunkte in fünf Golfstaaten an. Brent erreicht 88 $, plus 14% in einer Woche |
Der Sprung, der nicht der Krieg war
Die größte Tagesbewegung in unseren Daten ist die vom 30. Juni auf den 1. Juli: Benzin rund 17 Cent teurer, Diesel rund 19 Cent, über Nacht und bundesweit. Keine Rakete war daran beteiligt. Deutschland hatte die Energiesteuer auf Kraftstoffe für Mai und Juni um 14,04 Cent pro Liter gesenkt (mit Mehrwertsteuer rund 16,7 Cent), um den Kriegsschock abzufedern. Die Senkung lief planmäßig aus, seit dem 1. Juli gilt wieder der volle Steuersatz.
Wer in jener Woche Schlagzeilen las, die den Sprung über 2 Euro dem Krieg zuschrieben, sieht in der Grafik die ehrliche Zuordnung: Dieser Preisschritt war Fiskalpolitik, exakt wie beschlossen.
Der echte Kriegsaufschlag
Die Handschrift des Krieges ist der langsamere Anstieg ab dem 9. Juli, dem Tag nach dem Zusammenbruch der Waffenruhe. Vom 8. bis zum 17. Juli stieg der deutsche Dieselschnitt um weitere 24 Cent und folgte damit dem Brent-Anstieg von 74 auf 88 $ mit der üblichen Verzögerung von ein bis zwei Wochen. Der ADAC stellte fest, dass die Juli-Aufschläge an den Zapfsäulen einige Cent über dem lagen, was der Rohölpreis allein rechtfertigen würde, ein bekanntes Muster in angespannten Wochen.
Zur Einordnung: Selbst bei 2,19 €/L bleibt Diesel unter dem Rekord vom März 2026, als der erste Schock und die Hormus-Sperrung den Monatsdurchschnitt auf 2,164 €/L trieben, den höchsten je in Deutschland gemessenen Wert, bei deutlich höheren Rohölpreisen als heute. Zwei Dinge dämpften den Schlag an der Zapfsäule: die größte Lagerfreigabe der IEA-Geschichte mit 400 Millionen Barrel und die deutsche Steuersenkung.
Wo Europa jetzt steht
Der Krieg bewegt jeden europäischen Markt, aber nicht gleichmäßig. Diesel wurde durchgehend härter getroffen als Benzin (der EU-Schnitt stieg zwischen Ende Februar und Ende April um 26% gegenüber 12%, laut EU Weekly Oil Bulletin). Aktuell liegt der EU-Durchschnitt bei 1,86 €/L für Benzin und 1,92 €/L für Diesel, Deutschland rangiert am oberen Ende:
| Land | Benzin (€/L) | Diesel (€/L) |
|---|---|---|
| 🇩🇪 Deutschland | 2,16 | 2,15 |
| 🇫🇷 Frankreich | 2,01 | 2,11 |
| 🇦🇹 Österreich | 1,83 | 1,95 |
| 🇨🇿 Tschechien | 1,68 (40,60 CZK) | 1,58 (38,30 CZK) |
| 🇪🇸 Spanien | 1,61 | 1,66 |
| 🇮🇹 Italien | 1,99 | 2,14 |
Live-Durchschnitt, günstigster Preis je Kraftstoff fett markiert. Diese Zahlen aktualisieren sich automatisch aus den Petromap-Stationsdaten.
Methode und Quellen
Die Pumpenpreise in der Grafik sind der ungewichtete Tagesdurchschnitt über rund 14.500 von Petromap erfasste deutsche Tankstellen, bis zum 17. Juli 2026. Rohölpreise und Ereignisdaten stammen aus öffentlicher Berichterstattung: Al Jazeera, CNBC, IEA, ADAC und Bundesfinanzministerium (oben verlinkt). Aktuelle Preise in Ihrer Nähe zeigt die Live-Karte; Entwickler erhalten dieselben Daten über unsere kostenlose API.
Titelbild: Frans Berkelaar, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
